Röhrenverstärker üben sicherlich für jeden Bastler eine gewisse Faszination aus. Allerdings haben mich die doch recht hohen Betriebsspannungen und die zum Teil großen Kosten für die Ausgangsübertrager davon abgehalten selber mal eine Endstufe mit Röhren zu bauen.

Vor langer Zeit jedoch hat jemand mal bei mir angefragt, ob ich nicht mal eine Platine für einen kleinen Amp mit einer PCL86 entwerfen könnte. Das Layout war schnell gemacht, allerdings verlief das Ganze irgendwie im Sande. Bis ich vor kurzem wieder über die Dateien gestolpert bin und mich es doch ganz schön in den Fingern gejuckt hat, das Projekt umzusetzen.

Von vornherein habe ich mir aber vorgenommen, dass der Verstärker nicht mehr als hundert Euro kosten darf, damit der finanzielle Schaden beim Misslingen oder nicht gefallen nicht so groß ist. Außerdem wollte ich gerne Neuteile einsetzen, damit das Ergebnis auch reproduzierbar ist und man nicht über ausgeschlachtete Komponenten rätseln muss. Sicherlich wäre das Ganze durch den einen oder anderen Flohmarktfund  noch günstiger zu realisieren. Aber ich denke, wenn man keine Ahnung davon hat, sollte man lieber klein anfangen.

Natürlich muss man dabei ein paar Kompromisse bei der Wahl der Bauteile machen, um den Preis zu realisieren. Aber in erster Linie ging es mir ja darum die Funktionsweise und die Inbetriebnahme von Röhrenverstärker kennen zu lernen und nicht das maximal audiophile Klangerlebnis herauszuholen.

Da die Schaltung nur wenige Bauteile enthält und der Aufbau dieser auch relativ unspektakulär ist, war die Inbetriebnahme für mich in der Tat auch ein spannender Punkt. Transistorendstufen der verschiedensten Art habe ich schon gebaut und getestet, da weiß ich worauf ich achten muss und was beim Einschalten passieren kann oder auch nicht.

Mit diversen Multimetern versehen, habe ich dann recht angespannt den Netzschalter umgelegt und aufmerksam die Anzeigen beobachtet und auf etwaige Rauchzeichen aus dem Gerät geschaut. Aber die Aufregung war umsonst. Alle Spannungen (250V Anodenspannung, 13,3V für die Heizung) stellten sich wie zuvor grob errechnet ein, es gab keinen Qualm und auch keine komischen Geräusche. Aha, dachte ich mir, beim Transistor kann irgendwie mehr schief gehen.

Da weitere Tests mit Sinusgenerator am Eingang und Oscilloskop am Ausgang ebenfalls positiv verliefen, habe ich kurzerhand einfach mal eine richtige Quelle und Lautsprecher ran gehängt. Und siehe da, es spielt Musik. Und das gar nicht mal schlecht. Zunächst hatte ich noch etwas Probleme mit Brummen, was aber nach einer saubereren Verdrahtung mit Sternmasse schnell behoben war.

Hat man Lautsprecher mit ordentlich Wirkungsgrad zur Verfügung, kann man mit den 3-4 Watt Ausgangsleistung auch recht laut Musik hören. Wobei der Tieftonbereich an meinen Boxen doch recht schlank ist, was ich den relativ günstigen Ausgangsübertragern (nur 15€ das Stück) zuschreibe.

Spannend wird es auch nochmal sein, etwas mit einer Impedanzlinearisierung des Lautsprechers zu spielen und zu sehen, wie sich das klanglich bemerkbar macht.

So oder so macht der Verstärker aber jetzt schon viel Spaß, zumal der Lerneffekt für mich sehr groß ist. Die Schaltung lädt formlich zum Spielen und Ausprobieren ein und hat mich zumindest dazu bewogen, in Zukunft auch mal eine bessere Endstufe, mit entsprechenden Übertragern und den damit verbunden Kosten, in Angriff zu nehmen. Es scheint sich echt zu lohnen.

Auch diesen Monat möchte ich wieder einen Platinen-Satz an meine Newsletter-Abonnenten verlosen. Der Gewinner wird in zwei Wochen per Email informiert.

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